Der Erfinder von Kaiserslautern

Als in der Schule in Kaiserslautern, es war vermutlich das Fach Geschichte, der Lehrer auf Fußball zu sprechen kommt, da kommt er natürlich nicht am 1. FC Kaiserslautern vorbei, dem Club in der Pfalz, der eine ganz Region infiziert hat. Und der Lehrer erzählt von den großen Erfolgen des Vereins, von Bern 1954, das ist dann zugleich auch das Fach Erdkunde. Und dann stellt er die Frage aller Fragen: „Weiß einer von Euch, wer Fritz Walter ist?“ 
Aus dem Kleinen in Reihe fünf, dem mit den leuchtenden Augen, platzt es heraus: „Fritz Walter ist der Erfinder von Kaiserslautern, Herr Lehrer.“ Endlich ist es gesagt. Kinder sagen immer die Wahrheit. Wer Kaiserslautern zu so viel Ruhm verholfen hat, zusammen mit all den anderen im Verein, der muss wohl das Ganze auch erfunden haben.

Text: Hans-Peter Schössler

 

Spiel des Tages:

Schülermannschaften 1. FC Kaiserslautern - FK Pirmasens 11:1

6. Mai 1934, Kaiserslautern, 6.000 Zuschauer

Am Sonntag, den 6. Mai 1934 trafen auf dem Kaiserslauterer Betzenberg zwei Auswahlmannschaften des Deutschen Fußball-Bundes gegeneinander an. Quasi ein kleines "Länderspiel", bei dem sich eine Südwest-Auswahl aus dem Gau 13 und eine Auswahl aus dem württembergischen Gau 15 gegenüberstanden. Dabei schlug die Südwest-Auswahl die Kicker aus Württemberg mit 4:3 Toren. In der Halbzeitpause fand übrigens noch ein Staffellauf statt, bei dem Athleten des 1. FCK gegen eine Kaiserslauterer Trainingsgemeinschaft antraten. Doch es war nicht nur die offizielle Begegnung der beiden Gau-Auswahlmannschaften, die den Zuschauern an jenem Sonntag ein reichhaltiges Sportfest bescherte. Viel Aufmerksamkeit unter den rund 6.000 Zuschauern verdiente sich an jenem sonnigen Mai-Sonntag auch das Vorspiel zu der offiziellen Begegnung der beiden Auswahlmannschaften. Bei diesem trafen die Schülermannschaften des 1. FC Kaiserslautern und des FK Pirmasens aufeinander. Mit auf dem Platz, der damals 13-jährige Fritz Walter, der wohl schon als junger Bub die Zuschauer auf den Tribünen verzückte. Ob und wie viele Treffer der kleine Fritz beim überragenden 11:1 Sieg der Lauterer Nachwuchskicker gegen die Jungs vom Horeb markieren konnte, lässt sich aus den uns zur Verfügung stehenden Unterlagen nicht mehr nachweisen. In jedem Fall schrieb seinerzeit die NSZ Rheinfront: "Insbesondere war es der prächtige Mittelstürmer Walter des 1. FCK der die Massen begeisterte". Dies war das erste Mal, dass Fritz Walters Name in der Zeitung Erwähnung fand.

Text: Matthias Gehring

Hans-Günther Winkler

Am 24. Juli 1926 wurde Hans-Günther Winkler in Barmen geboren. Er war so etwas wie der Fritz Walter des Reitsports. Fünfmal gewann er bei Olympischen Spielen eine Goldmedaille, darunter 1956 in Stockholm mit seinem legendären Pferd Halla. 
„Wir haben uns bei einem Sportpressefest kennengelernt“, erzählte Fritz Walter. Und sie sind Freunde geworden. Winkler bekam zum Geburtstag immer eine Flasche „Fritz-Walter-Sekt“. Und einmal hat ihn der Fritz in Warendorf besucht. Und Winkler habe ihn gefragt, ob er auch auf ein Pferd steigen wolle. Das hat der Fritz aber abgelehnt. Bestimmte Dinge lagen ihm nicht: Auto fahren, mit dem Schiff fahren, Fliegen und auf ein Pferd steigen. 
Die Freundschaft hielt ein Leben lang. HGW starb am 9. Juli 2018 in Warendorf. 

Text: Hans-Peter Schössler

 

Spiel des Tages:

Testspiel - 1. FC Kaiserslautern – 1. FC Pforzheim 5:5

27. März 1938, Kaiserslautern, Zuschauerzahl unbekannt, ein Tor von Fritz Walter

Zu einer feinen Fußballadresse gehörte in den 1930er Jahren der 1. FC Pforzheim. 1936, 1938 und 1939 hatte man jeweils den 2. Platz in der Gauliga Baden erreicht und damit nur knapp die Teilnahme an der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft verpasst. Der 1. FCK landete 1938 hingegen auf dem vorletzten Tabellenplatz der Gauliga Südwest und stieg in die Bezirksklasse Mittelpfalz ab. Am Sonntag, den 27. März 1938, gastierten die Nordbadener um Nationalspieler Erich Fischer zu einem Gauliga-Testspiel auf dem Betzenberg. Dem 1. FCK war es erst in der Woche vor der Partie gelungen, für einen talentierten Jugendspieler die Freigabe für die 1. Mannschaft zu bekommen. Es war kein geringerer als Fritz Walter, der in dieser Begegnung somit erstmals für die 1. Mannschaft am Betzenberg auflief. Trainer Max Eheberg übertrug dem jungen Fritz sogar die Führung im Sturm. Der bisherige Sturmführer Willi Müller rückte dafür auf seine Stammposition in die Läuferreihe. Die favorisierten Gäste gingen durch zwei Treffer von Erich Fischer bereits früh in Führung. Doch der FCK konnte noch vor der Pause durch Ernst Meyer und Walter Ininger ausgleichen. Doch nach dem Wechsel kam der 1. FCK zurück. Nach einer Ecke konnte der Pforzheimer Keeper den Ball nur unzureichend wegfausten, die Kugel landete bei Fritz Walter, der aus dem Hinterhalt abzog und den FCK mit seinem ersten Tor für die 1. Mannschaft erstmals in Führung brachte. Doch zwei weitere Tore von Erich Fischer brachten die Gäste wieder in Front. Durch ein Eigentor des Lauterer Keepers, der den bereits abgewehrten Ball selbst über die Linie beförderte, baute Pforzheim die Führung auf 3:5 aus. Doch in einer turbulenten Schlussphase gelang dem FCK durch Tore von Herbert Rasch und Jakob Marker doch noch der umjubelte und verdiente Ausgleich. Fritz Walter stand mit dieser Partie vor dem Beginn einer glanzvollen Karriere in der 1. Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern.

Text: Matthias Gehring

Das Bild wurde dankenswerter Weise vom isk-Archiv zur Verfügung gestellt.
Fritz Walter, Heinz Fütterer (Gewinner bei der Wahl zum Sportler des Jahres 1954), H.-G. Winkler (von links) und Kurt Dobbratz (1.v.r.) (isk-Archiv).
Fritz Walter, Heinz Fütterer (2. v.r.) (isk-Archiv).

FIFA-Verdienstorden

1995 bekam Fritz Walter die höchste Auszeichnung des Weltfußball-Verbandes (FIFA) überreicht. Der damalige FIFA-Präsident Joao Havelange (Brasilien) und Generalsekretär Sepp Blatter verliehen den FIFA-Verdienstorden vor dem Länderspiel Schweiz gegen Deutschland in Bern. Für Fritz Walter war es eine Rückkehr nach 41 Jahren ins berühmte „Wankdorf-Stadion“. 

Text: Hans-Peter Schössler

 

Spiel des Tages: 

Testspiel Stadtauswahl Kaiserslautern - Corinthians London 2:5

17. April 1938, Kaiserslautern, Zuschauerzahl unbekannt

Über das Osterwochenende des Jahres 1938 trat der Corinthian Football Club zu einer Testspielreihe in Deutschland an. Der 1882 gegründete Londoner Vorstadtverein, hatte es sich zur Aufgabe gemacht ausschließlich Freundschaftsspiele zu absolvieren und in seinen Statuten sogar ein Verbot verankert, an Wettbewerben oder Preisspielen teilzunehmen. Daher verweigerte der Corinthian FC auch lange seine Teilnahme an der Football League und dem FA Cup. Erst nach dem 1. Weltkrieg nahm der Club erstmals am FA Cup teil. Für ihre Deutschlandreise im Jahr 1938 hatten die Engländer für den Karfreitag ein Gastspiel in Schweinfurth und für den Ostermontag in der kurpfälzischen "Quadratestadt" einen Test gegen den VfR Mannheim geplant. Am Ostersonntag, dem 17. April 1938, gastierten die Kicker von der Insel in Kaiserslautern. Allerdings nicht gegen den 1. FCK, sondern gegen eine Stadtauswahl, für die neben FCK-Akteuren auch Spieler des VfR 1906 Kaiserslautern, Sportclub Kaiserslautern, Reichsbahn Kaiserslautern und des Männer- Turn und Sportklub (MTSK) nominiert waren. Vom 1. FCK waren Keeper Ernst Gebhardt, Adolf Jung in der Defensive, Willi Müller, Karl Fritzinger und Heinrich Schaub für die Läuferreihe sowie Herbert Rasch, Fritz Walter, Karl Abel und Oskar Hankel im Sturm des Auswahl-Kaders aufgestellt. Die Lauterer Stadtauswahl unterlag gegen die Engländer am Ende mit 2:5! Für Fritz Walter war dieses Spiel die erste internationale Begegnung. Dann allerdings ausgerechnet eine, in der er nicht das Trikot des 1. FC Kaiserslautern trug.

Text: Matthias Gehring

Fritz Walter bei der Verleihung des FIFA-Verdienstordens mit João Havelange und Sepp Blatter.
Bild aus dem Buch FRITZ WALTER - Kapitän für Deutschland.
Bild aus dem Buch FRITZ WALTER - Kapitän für Deutschland.

Marika Rökk und die Großen des Showgeschäfts

Italia und Fritz liebten Marika Rökk, die österreichische Sängerin und Schauspielerin. 1913 wurde sie in Kairo geboren, und 2004 verstarb sie in Österreich. Als Erste erhielt sie in Berlin den „ Bambi“.. Fritz Walter war dabei. Die Zeit der Rökk war auch die von Fritz. Sie hatten in diesen Jahrzehnten ihre großen Erfolge. Und im Kino von Fritz Walter in Kaiserslautern liefen die Filme von Marika Rökk. Und die von Hans Moser, der Hörbigers, Willi Birgel , Heinz Rühmann, Ruth Leuwerick, O.W. Fischer, Rudolf Prack und der vielen Großen des Filmgeschäftes, von denen Fritz Walter viele persönlich kannte.

Text: Hans-Peter Schössler

 

Die "ersten" Spiele von Fritz Walter als Spiele des Tages

Ganz am Anfang seiner langen fußballerischen Karriere gab es für Fritz Walter eine Reihe von Spielen, die für ihn in unterschiedlicher Hinsicht eine "Premiere" darstellten. Auf vier davon wollen wir hier kurz eingehen.

 

Freundschaftsspiel – VfL Dudweiler - 1. FCK 2:2

24. April 1938, Dudweiler, Zuschauerzahl unbekannt, ein Tor von Fritz Walter

Nach seinem Debüt in der 1. FCK-Mannschaft beim Testspiel gegen Pforzheim standen für Fritz Walters und die Kicker vom Betzenberg vor allem der Tschammerpokal sowie ein Freundschaftsspiel gegen den SV Hansa Dudweiler auf der Terminliste. Beim Gastspiel im saarländischen Dudweiler kam die nicht in Bestbesetzung angetretene Elf aus Kaiserslautern nicht über ein 2:2 hinaus. Die Hausherren gingen bis zur Mitte der ersten Halbzeit bereits mit 2:0 in Führung. Karl Abel markierte vor der Pause noch den Anschlusstreffer, Fritz Walter glich in der 2. Halbzeit zum 2:2 Endstand aus. Es war für Fritz Walter das erste Auswärtsspiel in der 1. Mannschaft des FCK, in dem er somit auch sein erstes Auswärtstor erzielte.

 

Tschammerpokal – VfL Merzig - 1. FCK 1:3

08. Mai 1938, Merzig, Zuschauerzahl unbekannt, ein Tor von Fritz Walter

In der 1. Runde des Tschammerpokals gastierte der FCK am 24. April 1938 bei der Spielvereinigung in Merzig. Auch hier gingen die Hausherren zunächst in Führung, doch der FCK entschied das Spiel am Ende mit 3:1 für sich. Für Fritz Walter war es das erste Wettspiel - heute würde man Pflichtspiel sagen - und gleichzeitig auch die erste Pokalbegegnung in der 1. Mannschaft des FCK. Da er dabei auch das 1:2 markiert hatte, war dies auch sein erstes Pflichtspieltor seiner Karriere.

 

Tschammerpokal - 1. FCK - SpVgg Mundenheim 5:1

22. Mai 1938, Kaiserslautern, Zuschauerzahl unbekannt, zwei Tore von Fritz Walter

In der nächsten Pokalrunde erwartete der FCK am 8. Mai 1938 die Spielvereinigung Mundenheim auf dem heimischen Betzenberg. Mit 5:1 fegte man die Gäste aus Ludwigshafen vom Berg, wobei Fritz Walter mit dem 3:0 und mit dem Treffer zum 5:1 zwei Tore beisteuerte. Sein erstes Spiel in der 1. Mannschaft des FCK, in dem Fritz Walter mehr als einmal ins gegnerische Tor traf.

 

Tschammerpokal - Karlsruher FC Phönix - 1. FCK 3:2

26. Juni 1938, Karlsruhe , 500 Zuschauer, ein Tor von Fritz Walter

In der darauffolgenden Pokalrunde musste der FCK wieder reisen. Am 26. Juni 1938 hieß der Gegner Karlsruher FC Phönix. Dort unterlag der FCK etwas unglücklich mit 2:3. Bereits nach 25 Minuten schied der Lauterer Keeper verletzungsbedingt aus. Der FCK spielte mehr als eine Stunde in Unterzahl. Den Gästen aus der Pfalz gelang trotz Unterzahl durch Karl Abel zwar die Führung, doch bis zum Pausenpfiff hatten die Nordbadener bereits eine 2:1 Führung herausgeschossen, ehe sie nach dem Wechsel auf 3:1 erhöhten. Wenige Minuten vor dem Ende verkürzte Fritz Walter noch zum 3:2 Entstand. Mehr war an diesem Tag nicht drin. Eine Niederlage verdauen zu müssen war eine Situation, die Fritz Walter auch in seiner späteren Karriere emotional belastete. An jenem Tag musste er dieses Gefühl zum ersten Mal überhaupt verdauen.

Text: Michael Gehring

Bild aus dem Buch FRITZ WALTER - Kapitän für Deutschland.
Anneliese Rothenberger (Stadtarchiv Kaiserslautern/Leppla).
Foto Peter Seydel
Horst Eckel und Thomas Gottschalk bei der Fritz-Walter-Gala 2014 auf dem Jakobsberg (Foto: Peter Seydel).
Toni Marshall beim 80. Geburtstag von Horst Eckel (Foto: Peter Seydel).

Der Kicker wird 100 Jahre

Noch einer wird 100, ohne den Fußball nur schwer denkbar wäre. Der Kicker. Die Zeitung des Fußballs schlechthin. Am 14. Juli 1920 in Konstanz von Walter Bensemann gegründet. Über Stuttgart und  Ludwigshafen landet das Blatt am 1. Oktober 1926 in Nürnberg, wo es noch heute erscheint. Dazwischen liegen, vor allem kriegsbedingt, einige Wirrungen. 1946 wird der Olympia Verlag gegründet. Und Friedebert Becker , die Chefredakteur-Legende, ein enger Freund von Fritz Walter, schafft 1951 den Kicker neu im Th. Martens Verlag in München. 1966 erscheint die Fußballzeitung im Axel Springer Verlag, bevor sie 1968 im Nürnberger Olympia-Verlag ankommt. Das verlagseigene Produkt Sportmagazin und der Kicker verschmelzen zum Kicker-Sportmagazin. Mit Karl-Heinz Heimann und Hans Fiederer stehen wieder Chefredakteure an der Spitze, die über Jahrzehnte prägend für Deutschlands bekannteste Sportzeitung sind. Und Fritz Walter ist Kolumnist. Und kein anderer Fußballer ziert in den 1950er und 1960er Jahren so oft das Titelbild der Zeitung. Längst erscheint der Kicker zweimal in der Woche, am Montag und am Donnerstag. Die Erfolgsgeschichte der Zeitung setzt sich auch unter den Chefredakteuren Rainer Holzschuh (heute Herausgeber) und Wolfgang Uhrig fort. Trotz starker Konkurrenz in Deutschland bleibt der Kicker die Stimme des Fußballs. Und Fritz Walter ist über viele Jahre eines der wichtigen Gesichter. „Ohne den Kicker konnte die Woche nicht beginnen“, hat er einmal gesagt.

Heute ist Jörg Jakob der Chefredakteur und der Kicker hat im Schnitt 1,88 Millionen Leser. Dass er so alt ist wie der Fritz, das passt: beide sind ein unverrückbares Stück des deutschen Fußballs.

Text: Hans-Peter Schössler

 

Spiel des Tages:

Bezirksklasse Mittelpfalz - 1. FCK - SV 1929 Niederauerbach 8:1

11. September 1938, Kaiserslautern, Zuschauerzahl unbekannt, vier Tore von Fritz Walter

 

Nach dem Abstieg aus der Gauliga Südwest ging es für den FCK in der Bezirksklasse Mittelpfalz unter dem neuen Trainer Karl Berndt darum, möglichst von Anfang an den Weg zum Wiederaufstieg einzuschlagen. Gleich zum Auftakt wies der Spielplan dabei einen Kracher auf, als am 11. September der Vorjahreszweite, der SV 1929 Niederauerbach am Betzenberg gastierte. Schon nach 10 Minuten führte der FCK durch Tore von Fritz Walter und Jakob Marker mit 2:0! Noch vor der Halbzeitpause erhöhten erneut Jakob Marker, Walter Ininger und auch Fritz Walter auf 5:0 und brachten den FCK damit frühzeitig auf die Siegerstraße. Die Gäste hatten übrigens beim Stand von 4:0 einen Foulelfmeter vergeben. Nach dem Seitenwechsel schaltete der FCK einen Gang runter und die Gäste kamen zum Anschlusstreffer. Doch in der Schlussphase der Partie ließen die Kicker vom Betzenberg noch einmal ihre Offensivqualitäten aufblitzen. Zwei weitere Tore von Fritz Walter und ein Treffer von Walter Ininger (7:1) sorgten für einen verdienten FCK-Sieg. Auch dieses Spiel war für Fritz Walter ein Besonderes. Es war sein erstes offizielles Ligaspiel, sein erster Liga-Sieg mit dem FCK und seine vier Treffer seine ersten Liga-Tore überhaupt. Knapp ein halbes Jahr nach seinem Debüt in der 1. Mannschaft des FCK, spiegelten sich seine Leistungen auch in der Berichterstattung der Tagespresse wider. Die Wortwahl für und die Lobeshymnen auf den erst 17-jährigen FCK-Stürmer drückten nun zunehmend Anerkennung und Bewunderung aus. Schon diese frühen Fußballerjahre Fritz Walters sollten die Geburtsstunde eines Stars werden, der sich bis zum Ende seiner Karriere dennoch niemals als Star verstand.

Text: Matthias Gehring

Das Kicker-Titelblatt vom 5. Dezember 1955 zeigt Fritz Walter mit Helmut Rahn und Hans Schäfer vor dem anstehenden Länderspiel gegen Italien. Ob Fritz Walters offensichtlich gute Laune auch mit dem neuen FCK-Vertrag zusammenhing, können wir heute nicht mehr nachvollziehen.

Markus Merk

Heute habe ihn Markus Merk besucht, erzählte Fritz Walter. Es war Ende der 1990er- Jahre. Da war der Markus noch als einer der besten Schiedsrichter weltweit tätig. Insgesamt pfiff er von 1985 bis 2008 338 Bundesligaspiele, von 1992 bis 2007 50 Länderspiele, 49 Spiele der Champions League, bei den Europameisterschaften 2000 und 2004, den Weltmeisterschaften 2002 und 2006 und auch schon bei den Olympischen Spiele 1992 in Barcelona war er dabei. Dreimal wurde er „Welt-Schiedsrichter“.

Und am 1. Dezember 2019 in den Aufsichtsrat des FCK gewählt. Verantwortung übernehmen in schwieriger Zeit, das ist die Sache von Dr. Markus Merk, der Zahnarzt war und heute Unternehmer. Fritz Walter mochte den im März 1962 geborenen Markus Merk. Fritz war auch ein enger Freund vom Vater, von Rudi Merk, der viele Jahre Abteilungsleiter für Fußball beim FCK war, der die Schiedsrichter betreute und ein Gesicht des Vereins war. Sohn Markus hat diese Rolle übernommen. Er ist auch Botschafter der „Fritz-Walter-Stiftung“.

Text: Hans-Peter Schössler

 

Spiel des Tages: 

Bezirksklasse Mittelpfalz - SC 05 Pirmasens - 1. FCK 1:5

18. September 1938, Pirmasens, Zuschauerzahl unbekannt, 2 Tore von Fritz Walter

Der zweite Spieltag der Bezirksklasse bescherte Fritz Walter und seinen Mannschaftskameraden ein Gastspiel in der Horebstadt Pirmasens. Allerdings nicht beim FK Pirmasens, der in dieser Spielzeit eine Etage höher in der Gauliga Südwest um Punkte rang, sondern beim SC 05 Pirmasens. Im Stadion an der Winzler Straße ging es an jenem 18. September heiß her. Doch nicht das Resultat an sich sorgte für viel Aufmerksamkeit, sondern vor allem die Geschehnisse auf und rund um den grünen Rasen. Der FCK gewann die Partie zwar mit 5:1, zahlte dafür aber einen hohen Preis. In der phasenweise ruppig und beinhart geführten Partie standen am Ende insgesamt nur noch 16 Spieler auf dem Platz. Auf Lauterer Seite wurden Heinrich Schaub und Herbert Rasch durch üble Fouls so schwer verletzt, dass sie vorzeitig ausscheiden mussten. Während der 90 Minuten flogen insgesamt drei Pirmasenser und auch der Lauterer Karl Fritzinger mit Rot vom Platz. In der Anfangsphase sahen die Zuschauer zunächst ein ausgeglichenes Spiel in dem die Hausherren nach einer Viertelstunde mit 1:0 in Führung gingen. Mit zunehmender Spieldauer setzte sich die spielerische Qualität des FCK durch. Die Gäste gingen nach Toren von Walter Ininger und Jakob Marker noch vor der Pause mit 2:1 in Führung. Nachdem erneut Jakob Marker im zweiten Durchgang das 3:1 für den FCK erzielt hatte, brannten dann bei einigen Akteuren auf Seiten der Pirmasenser die Sicherungen durch und es kam zu den mit Platzverweisen sanktionierten unschönen Szenen. Fritz Walter markierte bis zum Schlusspfiff noch 2 weitere Treffer zum 1:5 Endstand. Der Verband reagierte hart. Der SC 05 Pirmasens erhielt eine Platzsperre für drei Heimspiele. Alle Akteure, die des Feldes verwiesen wurden und zwei weitere Pirmasenser Spieler erhielten Sperren zwischen zwei und zwölf Monaten. Sogar zwei Zuschauer, die sich ungebührlich verhalten hatten, wurden mit Platzsperren zwischen ein und eineinhalb Jahren belegt.

Text: Matthias Gehring

Bild aus dem Buch FRITZ WALTER - Kapitän für Deutschland.
Bild aus dem Buch FRITZ WALTER - Kapitän für Deutschland.
Markus Merk wird mit Ronni Hellström Botschafter der Fritz-Walter-Stiftung. Foto Seydel.
Markus Merk wird mit Ronni Hellström Botschafter der Fritz-Walter-Stiftung (Foto: Peter Seydel).
Markus Merk bei der Fritz-Walter-Gala 2016.

Große Fußballer und der Fritz

Zu seinem 75. Geburtstag 1995 kamen Franz Beckenbauer, Uwe Seeler und die ungarischen Gegner von 1954 Ferenc Puskás, Nandor Hidegkuti, Gyula Grosics und Jenö Buzanszky.

In Köln traf er drei Jahre vorher Pelé und Wolfgang Overath. Als die Karriere des damals 38jährigen Fritz Walter bei der WM 1958 zu Ende ging, da begann die Weltkarriere des 17jährigen Pelé.

 

Spiel des Tages: 

Fußball-Gau-Vergleichskampf - Baden - Südwest 3:1

6. November 1938, Karlsruhe, etwa 5.000 Zuschauer

Die beiden benachbarten Gaue Baden und Südwest traten am Sonntag, den 6. November 1938 in Karlsruhe in einem Testspiel oder Vergleichskampf gegeneinander an. Austragungsort war das Stadion des Karlsruher FV an der Telegraphenkaserne in der Karlsruher Nordweststadt, das übrigens im Jahr 2004 aufgegeben und abgerissen wurde. Mit Fritz Walter und Karl Heinz Folz waren auch zwei Spieler des 1. FCK für den Südwest-Kader nominiert. Das erste Gau-Spiel für Fritz Walter! Für einen so jungen Spieler wie ihn, eine großartige Bestätigung seiner Fähigkeiten! Während die Badener fast durchweg auf erfahrene, routinierte und robuste Spieler setzten, kamen in der Südwest-Auswahl überwiegend talentierte jüngere Akteure zum Zug. Die Badener Auswahl ging in der ersten Halbzeit durch einen Freistoß aus gut 25 Metern in Führung. Torschütze war der in Sondernheim in der Südpfalz geborene und für den Karlsruher FV spielende Franz Immig. Der für Rot-Weiß Frankfurt kickende Joseph Herchenhahn überraschte vor der Pause mit einer verunglückten Rückgabe seinen Rot-Weiß-Vereinskameraden Jakob Remmert im Tor der Südwestauswahl und so stand es plötzlich 2:0 für die Badener. Nach dem Wechsel drehten die Gäste auf. Vor allem der für den FV Biebrich 02 spielende Christel Kraus hatte dank Fritz Walters überragender Vorarbeit einige dicke Chancen auf dem Fuß. Zumindest eine davon führte zum Erfolg, als der Biebricher auf Vorlage von Fritz Walter den Anschlusstreffer markierte. Die Tagespresse war dann auch voll des Lobes für Fritz Walter, auch wenn ihm selbst an diesem Tag kein Tor gelang. "Der beste Stürmer war der Lauterer Walter, der durch seine elegante Ballführung und durch sein präzises Zuspiel Aufmerksamkeit erlangte" (NSZ-Rheinfront vom 07.11.38). Dennoch reichte die überragende Leistung von Fritz Walter nicht. Kurz vor Spielende erzielten die Badener den 3:1 Endstand.

Text: Matthias Gehring

Bild vom Stadtarchiv Kaiserslautern/Leppla.
Bild vom Stadtarchiv Kaiserslautern/Schuster.
Bild vom Stadtarchiv Kaiserslautern/Leppla.

Uwe Seeler

Vor 54 Jahren wird England durch ein 4:2 nach Verlängerung gegen Deutschland Fußball- Weltmeister. Eines der Spiele , die man nie vergessen wird. Das „ Wembley-Tor“ und Uwe Seelers herzzerreißender Abgang mit Größe. Uwe Seeler, Ehrenspielführer wie Fritz, wird einer seiner besten Freunde. Sie mögen und sie schätzen sich. Wohl auch, weil sie ihren Idealen, der Frau und dem Verein, treu geblieben sind. Von 1953 bis 1972 absolviert Uwe Seeler 476 Spiele für den HSV. Er erlebt die Bundesliga, und mit ihm ist der Verein unabsteigbar. 72 Länderspiele macht er, bei vier Weltmeisterschaften ist er dabei. Er ist ein Idol, der kleine Mann mit den genialen Kopfbällen, der Kämpfer, der Gentleman. Für Fritz ein wahrer Freund, der bei allen wichtigen Geburtstagen nach Kaiserslautern kommt. Es ist eine besondere Verbindung, die aus der Sicht von Uwe Seeler auch für Bruder Ottmar gilt.

Text: Hans-Peter Schössler

 

Spiel des Tages: 

Winterhilfswerk - Opfertag des Fußballs - 1.FCK - VfR Frankenthal 4:0

16. November 1938, Kaiserslautern, etwa 1.500 Zuschauer, zwei Tore von Fritz Walter

Am Mittwoch, den 16. November, am Buß- und Bettag des Jahres 1938, stellten sich im Deutschen Reich Sportler in den Dienst des Winterhilfswerks. Am sogenannten "Opfertag des Fußballs" lockten interessante und brisante Paarungen, bei denen teilweise Auswahlmannschaften oder auch Vereinsmannschaften gegeneinander antraten, die Fußballbegeisterten des Landes in die Stadien und auf die Fußballplätze. Die Erlöse aus den Zuschauereinnahmen kamen dem Winterhilfswerk des Deutschen Volkes zugute, um bedürftige "Volksgenossen" zu unterstützen. So stand auch auf dem Lauterer Betzenberg eine damals mit Spannung erwartete Begegnung an. Der 1. FCK als Tabellenführer der Bezirksklasse Mittelpfalz empfing den Erstplatzierten der Bezirksklasse Vorderpfalz, den VfR Frankenthal. Mit Blick auf die im Frühjahr anstehende Aufstiegsrunde in die Gauliga Südwest ein prognostiziert vorweg genommenes Aufeinandertreffen! Die FCK-Defensive hatte anfangs ihre liebe Mühe, die engagiert spielenden Frankenthaler in den Griff zu bekommen. Doch die an diesem Tag glänzend aufgelegte Läuferreihe des FCK mit Willi Müller, Karl Fritzinger und Heinrich Schaub sowie die mit Jakob Marker, Walter Ininger, Karl Abel und Fritz Walter besetzte Sturmreihe heizten den Gästen bald mächtig ein. Durch zwei Tore von Fritz Walter kam der FCK noch vor der Halbzeitpause zu einer beruhigenden 2:0 Führung. Nach dem Wechsel blieben Fritz Walter, Karl Heinz Folz und Heinrich Schaub in der Kabine. Dafür kamen Richard Schneider, Walter Brill und Diehl. Im zweiten Durchgang sorgten dann Jakob Marker und Karl Abel mit zwei weiteren Treffern für den 4:0 Endstand.

Text: Matthias Gehring

Bild aus dem Buch FRITZ WALTER - Kapitän für Deutschland.
Bild aus dem Buch FRITZ WALTER - Kapitän für Deutschland.
Uwe Seeler auf einem historischen Roller aus 1954 bei der Fritz-Walter-Gala 2010 (Foto: Peter Seydel).
Bild aus dem Buch FRITZ WALTER - Kapitän für Deutschland.
Bild aus dem Buch FRITZ WALTER - Kapitän für Deutschland.

Die Schifferstädter Ringer Markus Scherer und Wilfried Dietrich

Vor 36 Jahren schafft der Schifferstädter Ringer Markus Scherer bei den Olympischen Spielen in Los Angeles den Einzug in das Finale des Fliegengewichtes. Nur knapp verliert er im Kampf um Gold gegen den Italiener Vinzenzo Maenza und holt Silber. Fritz Walter feiert und jubelt mit. Er mag die Ringer aus Schifferstadt, war auch bei einigen Kämpfen dabei. Wilfried Dietrich, den „Kran von Schifferstadt“ ,Teilnehmer an fünf Olympischen Spielen, hat Fritz oft getroffen. Fritz Walter sah immer über den eigenen Tellerrand und bewunderte auch die Erfolge anderer Sportler.

Text: Hans-Peter Schössler

 

Spiel des Tages: 

Bezirksklasse Mittelpfalz - 1.FCK - SC 05 Pirmasens 11:2

8. Januar 1939, Kaiserslautern, 300 Zuschauer, sieben Tore von Fritz Walter

Es war eine in jeder Hinsicht stürmische Partie, die am Sonntag, den 8. Januar 1939 auf dem Betzenberg stattfand. An jenem 14. Spieltag der Bezirksklasse Mittelpfalz gastierte der zu diesem Zeitpunkt am Tabellenende rangierende SC 05 Primasens. Das Rückspiel zu der aus dem Ruder gelaufenen Partie an der Winzler Straße im September 1938. Extreme Windverhältnisse und ein tiefer Boden machten beiden Teams zu schaffen. Obwohl der favorisierte FCK im ersten Durchgang mit dem Wind im Rücken aufspielte, taten sich die Hausherren anfangs schwer, gegen die leidenschaftlich kämpfende und stark verjüngte Pirmasenser Gästemannschaft. Erst eine Ecke brachte die Lauterer Führung. Aus einem dichten Gedränge kam der Ball zu Fritz Walter, der aus dem Hinterhalt abzog und zum 1:0 einschoss. Wer glaubte, der Bann sei nun gebrochen, sah sich getäuscht. Die Gäste verteidigten weiter aufopferungsvoll und nutzten einen Konter zum etwas überraschenden 1:1 Ausgleich. Doch mit zwei weiteren Toren stellte Fritz Walter bis zur Halbzeitpause noch auf 3:1 für den FCK. Die Gastgeber kamen dann mit voller Wucht aus der Kabine. Mit einem Doppelschlag erhöhte Ernst Mayer zunächst auf 5:1. Die Tore fielen nun wie reife Früchte und der FCK zog durch weitere Treffer von Fritz Walter (6:1), Walter Ininger (7:1), erneut Fritz Walter (8:1), Willi Müller (9:1) und dann noch einmal Fritz Walter auf 10:1 davon. Durch einen Fehler in der Hintermannschaft erzielten die Gäste noch einmal den Anschlusstreffer zum 10:2, ehe kurz vor Schluss noch einmal Fritz Walter den Torreigen zum 11:2 Endstand abschließen konnte. Es sollte in dieser Saison der höchste FCK bleiben.

Text: Matthias Gehring

 

Erster Vertrag beim 1. FC Kaiserslautern

Es sind Summen, die sich heutzutage im Profisport keiner mehr vorstellen kann. 1955 unterschreibt Fritz Walter beim FCK einen neuen Vertrag. In den Jahren zuvor hat er als Kapitän der Walter-Elf den 1. FC Kaiserslautern zweimal zum Gewinn der Deutschen Meisterschaft geführt, wurde darüber hinaus im Jahr zuvor sensationell mit der Deutschen Nationalmannschaft beim Wunder von Bern erstmals Weltmeister. Der Marktwert eines Fußballers konnte also kaum höher sein.

Der Vertrag Fritz Walters beginnt am 1. August 1955 und endet am 31. Juli 1957. Die Grundentschädigung, so heißt es im Vertrag, beträgt monatlich 120 Mark. Für jedes Spiel in der ersten Mannschaft erhält er zusätzlich 10 Mark. Und für ein Spiel in der Reservemannschaft 5 Mark. Außerdem kann der zweifache Deutsche Meister mit dem FCK von 1951 und 1953 und Weltmeister von 1954 „je nach gezeigten Leistungen“ eine Leistungsprämie von bis zu 120 Mark brutto monatlich bekommen.

Die Zahlen beweisen eindrücklich die Vereinstreue Fritz Walters, soll ihm beispielsweise Atlético Madrid 1951 alleine für die Unterschrift eines Zweijahres-Vertrages 500.000 DM Handgeld geboten haben. Auch lukrative Angebote aus Italien und Frankreich fanden bei Fritz Walter kein Gehör. „Dehäm is dehäm“ antwortete er auf entsprechende Nachfragen gerne. Nach 384 Spielen mit 327 Toren beendet Fritz Walter am 20. Juni 1959 schließlich seine Fußballkarriere beim FCK.

Text: Hans-Peter Schössler / 1. FC Kaiserslautern

 

Spiel des Tages: 

Bezirksklasse Mittelpfalz - 1.FCK - VfL Homburg-Nord 7:0

12. Februar 1939, Kaiserslautern, Zuschauerzahl unbekannt, vier Tore von Fritz Walter

Am Faschingssonntag des Jahres 1939 traf der FCK am 18. Spieltag der Bezirksklasse Mittelpfalz auf den VfL Homburg-Nord. Die Kicker aus dem Saarland hatten sich für jenen 12. Februar zwar viel vorgenommen, wurden dann aber mit einer 7:0-Klatsche vom Betzenberg gejagt. Obwohl die Mannschaft aus dem Stadtteil Homburg-Erbach gar nicht so schlecht spielte und sich vor allem im ersten Durchgang dem FCK öfter gefährlich näherten. Doch nach 20 Minuten zeigten die Hausherren ihr Können. Eine Flanke von Jakob Marker vors Gästetor fand den Kopf von Walter Ininger, der am höchsten sprang und per Kopfstoß zum 1:0 für den FCK traf. Nur wenige Minuten später erhöhte Fritz Walter gar auf 2:0. Die Homburger wehrten sich tapfer und prüften einige Male Ernst Gebhardt im Kasten des FCK, ehe es wieder Fritz Walter war, der mit seinem zweiten Tor an diesem Tag auf 3:0 erhöhte. Übrigens Fritz Walters 50. Treffer der laufenden Saison. Bemerkenswert! Nach dem Wechsel dominierte klar der FCK. Nach rund 20 Minuten erhöhte Diehl auf 4:0 und dann war es erneut Fritz Walter, der mit zwei weiteren Toren das Ergebnis auf 6:0 hochschraubte. Den Schlusspunkt setzte Ernst Meyer nach Vorlage von Fritz Walter mit dem Treffer zum 7:0 Endstand. Der FCK sicherte sich durch diesen Sieg an jenem 18. Spieltag rechnerisch bereits die Meisterschaft. Die Kicker vom Betzenberg gingen bis dato bei keinem ihrer Spiele als Verlierer vom Platz, hatten lediglich dreimal nur Unentschieden gespielt. Nach Punkten wäre der FCK zwar noch einzuholen, aber bei einem Torverhältnis von 96:16 nicht mehr von der Tabellenspitze zu verdrängen gewesen.

 Text: Matthias Gehring

Das Kicker-Titelblatt vom 5. Dezember 1955 zeigt Fritz Walter mit Helmut Rahn und Hans Schäfer vor dem anstehenden Länderspiel gegen Italien. Ob Fritz Walters offensichtlich gute Laune auch mit dem neuen FCK-Vertrag zusammenhing, können wir heute nicht mehr nachvollziehen.

Rudi Michel

1921 wird Rudi Michel geboren. In Kaiserslautern. Er ist knapp ein Jahr jünger als Fritz Walter. Sie werden ein ganzes Leben miteinander verbringen und über den Fußball, die Menschen, die Pfalz und die Welt sprechen. Rudi Michel wird der Reporter des Südwestrundfunks. Bis zuletzt in Baden-Baden, wo er am 29. Dezember 2008 stirbt. Rudi Michel ist Reporter vieler großer Fußballspiele, u.a. des berühmten Finales 1966 zwischen England und Deutschland im Londoner Wembley-Stadion. Aber Michel ist nicht nur ein Chronist, der das Leben von Fritz Walter begleitet, er ist auch einer seiner größten Fans.

Text: Hans-Peter Schössler

 

Spiel des Tages: 

DFB-Lehrgang in Frankfurt - Südwest-Auswahl A - Südwest-Auswahl B 1:0

13. bis 18. März 1939, Frankfurt, Zuschauerzahl unbekannt

Vom 13. bis zum 18. März 1939 lud Reichstrainer Sepp Herberger insgesamt 50 Spieler aus sieben Gauen zu einem Lehrgang nach Frankfurt ein. Die Vorbereitung zum Spiel zwischen der Auswahl Südwestdeutschlands und einer B-Auswahl aus Italien am 26. März.  Erstmals bei einem DFB-Lehrgang mit dabei war Fritz Walter, dem sich mit dieser Berufung eine weitere Tür seiner beispiellosen Ausnahmekarriere öffnete. Man bemerke, Fritz Walter war zu diesem Zeitpunkt gerade mal 18 Jahre alt. Schon jetzt war die Fachpresse voll des Lobes für den talentierten Nachwuchsstürmer des FCK. "Der bescheidene Fritz Walter ist das geborene Fußballtalent … Richtiger Fußballinstinkt, feine Technik gepaart von witzigen Einfällen und sicherem Schussvermögen, zeichnen das `Fritzchen´ aus. Dabei ist Walter nicht etwa der effekthaschende Publikumsspieler, der sich in unnötigen Tändeleien verliert, sondern ein Kämpfer mit frischem Zug und ausgeprägtem Sinn für ein flüssiges Mannschaftsspiel. … Die Frage, auf welchem Posten er wirkungsvoller erscheint, dürfte dahingehend beantwortet werden, dass Walter bei seinem Können auf jedem dieser Posten seine Fähigkeiten voll zur Geltung bringen kann. … Walter gilt als hoffnungsvoller Stürmertalent, der sicher noch von sich zu reden machen wird" (NSZ Westmark, 11.03.1939). Zwei Testspiele standen während der Lehrgangstage auf dem Programm. Am 14. März spielte die A-Mannschaft gegen eine Stadtmannschaft aus Frankfurt und am 16. März traten eine A- und eine B-Auswahl gegeneinander an. In beiden Partien konnte Fritz Walter unter den Augen von Sepp Herberger sein Können unter Beweis stellen. Verdienter Lohn am Ende des Lehrgangs war die Nominierung für die Partie gegen die zweite Garde aus Italien am 26. März in Frankfurt.

Text: Matthias Gehring

6 Minuten Zeit für Fritz Walter

Mein Patenonkel war bekannt dafür gewesen, nichts wegwerfen zu können. Es kam noch hinzu, dass er seit frühester Jugend leidenschaftlich gerne gesammelt hatte: Briefmarken, Postkarten, Bierdeckel, Ziggarettenbilder, stapelweise ganze Jahrgänge alter Sportzeitschriften. Dementsprechend umfangreich war sein Nachlass. Unbestrittenes Prunkstück war eine große Autogrammsammlung bekannter Sportler, in einem halben Duzend Sammelalben fein säuberlich katalogisiert und datiert. Die Unterschriften der Helden von Bern waren vollständig vorhanden, manche sogar mehrfach. Von den 22 Spielern, die zum Aufgebot gehört hatten, waren als letzte Signaturen diejenigen der Abwehrspieler Hans Bauer, Fritz Laband und Werner Liebrich hinzugefügt worden, laut handschriftlichem Vermerk am 06.07.1954. Das Datum kam mir bekannt vor, ohne dass ich es zunächst genau hätte einordnen können.

Eine Woche später fand ich beim Blättern in alten, vergilbten Schulheften die dazugehörige Geschichte. Er hatte es noch nicht einmal übers Herz gebracht alte Schulhefte zu entsorgen.

Es war der Tag, an dem die deutschen Fußball-Weltmeister aus der Schweiz nach Hause gefahren waren. An diesem Tag hatte mein Patenonkel als 14-jähriger Schüler Fritz Walter kennengelernt. Kurz danach, am 09. Juli, hatte der Volksschullehrer Ernst Kesselring seinen Achtklässlern als Klassenarbeit folgendes Aufsatzthema gestellt: „Ein besonderes Erlebnis an einem besonderen Tag.“

Mein Patenonkel war in Buchloe aufgewachsen, einem kleinen Städtchen im Allgäu, unweit von Kaufbeuren und Fürstenfeldbruck. Am 6. Juli waren die Buchloer in heller Aufregung, denn es war ihnen eine große Ehre widerfahren: Der Sonderzug-Triebwagen mit den Weltmeistern würde auf der Heimfahrt nach München wie an vielen anderen Orten auch an ihren Bahnhof Halt machen. Genau 6 Minuten lang.

Mein Patenonkel hat in seinem Aufsatz diese Minuten in Tagebuchform geschildert. Die vom Lehrer Kesselring rot angestrichenen Fehler sind verbessert. Diese waren wohl auch der Grund, dass der Aufsatz mit einer 1- zensiert worden war. Für eine glatte 1 hatte es nicht ganz gereicht.

„Der 6. Juli 1954 war ein ganz besonderer Tag. Wir haben Schulfrei gehabt, weil wir unseren Fußball-Weltmeistern auf dem Bahnhof Blumengebinde überreichen durften.

14 Uhr 00 Wir haben noch einmal auf dem Schulhof mit Lehrer Kesselring den Ablauf geprobt. Dann sind wir in Zweierreihen zum Bahnhof gelaufen und haben uns auf die uns zugewiesenen Plätze begeben. Erst kam die Blaskapelle, dann der Bürgermeister und die Stadträte, die Vorsitzenden der Sportvereine, schließlich wir Kinder mit den Blumengebinden. Mein Sammelalbum habe ich natürlich mitgenommen. Schließlich fehlten mir noch 3 Unterschriften von den Weltmeistern. Bauer, Laband und Liebrich. Die wollte ich heute unbedingt bekommen.

14 Uhr 35 Am Bahnhof schien es, als ob der ganze Ort auf den Beinen sei. Ich sah auf die große Bahnhofsuhr: noch 17 Minuten bis zur Ankunft.

14 Uhr 52 Unbeschreiblicher Jubel. Der Zug fuhr fahrplanmäßig ein. Ich würde genau 6 Minuten Zeit haben. Das musste reichen für die Autogramme von Bauer, Laband und Liebrich.

14 Uhr 53 Die Blaskapelle fing zu spielen an. Der Bürgermeister bereitete sich auf seine Rede vor. Mit meinem Album hinter dem Rücken in der linken Hand und dem Blumengebinde in der rechten habe ich mich mit fünf anderen Kindern nach vorne gekämpft und auf meinen Einsatz gewartet. Das klappte auch wie geplant. Ich konnte meinen Blumenstrauß Max Morlock in die Hand geben, am zweiten Fenster. Das Dumme daran war nur: seine Unterschrift hatte ich schon längst. Sogar doppelt. Also kämpfte ich mich weiter vor. Von Fenster zu Fenster. Bloß habe ich keinen von ihnen gesehen. Kein Bauer, kein Laband und kein Liebrich weit und breit. Bei meinen Klassenkameraden waren natürlich die Autogramme von Seppl Herberger, Helmut Rahn und Fritz Walter besonders beliebt. Aber die hatte ich nun einmal schon. Fritz Walter? Auf einmal sah ich ihn am vierten Fenster  stehen und unermüdlich schreiben. Da kam mir die rettende Idee. Ich reihte mich in das Gedränge vor seinem Abteilfenster ein. Er war doch der Kapitän. Wenn nicht er, wer könnte mir sonst helfen? Als ich dran war, nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und bat ihn höflich, mein Album doch, bitte schön, an Bauer, Laband und Liebrich weiterzureichen. Er wirkte etwas überrascht: „Wer? De Bauer? De Laband? Und de Liebriche Werner?“ Dann schmunzelte er: „Geb's emol grad her, des Album. Ich will emol sehe, was sich mache losst.“

14 Uhr 56 Fritz Walter war mit meinem Album kurz im Abteil verschwunden gewesen und schrieb jetzt am Fenster wieder unverdrossen weiter. Aber so langsam wurde ich nervös. Der Bürgermeister hatte seine Rede mittlerweile längst beendet, die Blumengebinde waren alle überreicht. Die Zeit wurde immer knapper. Unaufhörlich und unbarmherzig bewegte sich der Sekundenzeiger auf der großen Bahnhofsuhr weiter vorwärts. Ich wagte kaum noch hinzuschauen. Wo waren bloß Bauer, Laband und Liebrich?

14 Uhr 57 Fritz Walter sah kurz über seine Schulter zurück und rief ins Abteil: „Alla hopp, Männer! Wo bleiwen ehr dann? De Zug fahrt glei widder!“ Jede Sekunde war jetzt kostbar. Der Schaffner schwenkte schon aufgeregt seine Kelle. Dann kam ein gellender Pfiff aus seiner Trillerpfeife. Ich war den Tränen nahe.

14 Uhr 58 Jeden Augenblick musste sich der Sonderzug in Bewegung setzen. Nun war es soweit. Er rollte an. Ich konnte die Tränen nicht mehr zurück halten. Auch mein Album war zu allem Überfluss  nun noch verlorengegangen. Und immer noch kein Bauer, kein Laband und kein... doch! Da stand er plötzlich am Fenster, unverkennbar mit seinen roten Haaren und zwinkerte seinem Kapitän zu. Er gab mein Album Fritz Walter, grinste und verschwand wieder im Wageninneren.

14 Uhr 59 Der Zug kam nur im Schritt-Tempo vorwärts. Immer noch standen Menschen auf den Gleisen und blockierten sein Vorwärtskommen. Ich konnte ohne Mühe noch ein ganzes Stück neben dem offenen Fenster des Abteils herlaufen und mein Album mit zitternden Händen entgegennehmen. Da waren die ersehnten Unterschriften. Bauer, Laband und Liebrich.

15 Uhr 00 Ich sah dem davonfahrenden Zug nach, der langsam Fahrt aufnahm. Mit den anderen Menschen auf dem Bahnsteig winkte ich den Weltmeistern nach, bis der Sonderzug nicht mehr zu sehen war. Von jetzt an würde die Zahl 6 meine Glückszahl sein. 6 Minuten hatten wir am Sonntag gebangt und gezittert nach Helmut Rahns Führungstor und jetzt hatte ich nach 6 Minuten meine ersehnten letzten 3 Autogramme bekommen. Aber eigentlich war es ja Fritz Walter gewesen, der sie bekommen hatte. Er war eben der Kapitän.

15 Uhr 01 Ich sah auf die große Bahnhofsuhr. Die Helden von Bern würden mit 3 Minuten Verspätung in Fürstenfeldbrück ankommen.

Text: Lukas Heintz

 

Spiel des Tages: Bezirksklasse Mittelpfalz - 1.FCK - SC 05 Pirmasens 11:2

8. Januar 1939, Kaiserslautern, 300 Zuschauer, sieben Tore von Fritz Walter

Es war eine in jeder Hinsicht stürmische Partie, die am Sonntag, den 8. Januar 1939 auf dem Betzenberg stattfand. An jenem 14. Spieltag der Bezirksklasse Mittelpfalz gastierte der zu diesem Zeitpunkt am Tabellenende rangierende SC 05 Primasens. Das Rückspiel zu der aus dem Ruder gelaufenen Partie an der Winzler Straße im September 1938. Extreme Windverhältnisse und ein tiefer Boden machten beiden Teams zu schaffen. Obwohl der favorisierte FCK im ersten Durchgang mit dem Wind im Rücken aufspielte, taten sich die Hausherren anfangs schwer, gegen die leidenschaftlich kämpfende und stark verjüngte Pirmasenser Gästemannschaft. Erst eine Ecke brachte die Lauterer Führung. Aus einem dichten Gedränge kam der Ball zu Fritz Walter, der aus dem Hinterhalt abzog und zum 1:0 einschoss. Wer glaubte, der Bann sei nun gebrochen, sah sich getäuscht. Die Gäste verteidigten weiter aufopferungsvoll und nutzten einen Konter zum etwas überraschenden 1:1 Ausgleich. Doch mit zwei weiteren Toren stellte Fritz Walter bis zur Halbzeitpause noch auf 3:1 für den FCK. Die Gastgeber kamen dann mit voller Wucht aus der Kabine. Mit einem Doppelschlag erhöhte Ernst Mayer zunächst auf 5:1. Die Tore fielen nun wie reife Früchte und der FCK zog durch weitere Treffer von Fritz Walter (6:1), Walter Ininger (7:1), erneut Fritz Walter (8:1), Willi Müller (9:1) und dann noch einmal Fritz Walter auf 10:1 davon. Durch einen Fehler in der Hintermannschaft erzielten die Gäste noch einmal den Anschlusstreffer zum 10:2, ehe kurz vor Schluss noch einmal Fritz Walter den Torreigen zum 11:2 Endstand abschließen konnte. Es sollte in dieser Saison der höchste FCK bleiben.

Text: Matthias Gehring

Nicht nur nach dem WM-Sieg 1954 war die Bahn das gewählte Fortbewegungsmittel. Fritz Walter reiste auch später am Liebsten mit der Bahn. Ein Millionär mit Bahnkilometern scherzen einige. Das Bild wurde am Hauptbahnhof in Mannheim aufgenommen und dankenswerter Weise vom Landessportbund Rheinland-Pfalz zur verfügung gestellt.

Nathalie

Nicht alle Träume der Walters erfüllten sich. Die Ehe blieb kinderlos. Das hat sie sehr geschmerzt.

In einem Sommer kam Italias Verwandtschaft aus Frankreich zu Besuch, darunter die kleine Nathalie, Italias Großnichte. Fritz schloss die Kleine ins Herz, er verliebte sich in sie. Nach reiflicher Überlegung reifte der Gedanke einer Adoption, mit der auch Nathalies Mutter einverstanden gewesen wäre. Nathalie sollte in eine deutsch-französische Schule gehen und später auch einmal die Erbin sein.

Aber dann wollte die Mutter eine hohe finanzielle Abfindung. Italia und Fritz lehnten das sofort ab. Ein Kind kaufen wollten sie auf keinen Fall.

Nathalie kam nicht mehr nach Alsenborn. Sie starb in jungen Jahren.

Text: Hans-Peter Schössler

 

Spiel des Tages: 

Testspiel 1. FC Kaiserslautern - Rapid Wien 0:6

22. April 1939, Kaiserslautern, 7.000 Zuschauer

Als "kontinentale Extraklasse" kündigte die Lokalpresse den Gegner des 1. FC Kaiserslautern im Vorfeld eines Testspiels an, das am 22. April 1939 auf dem Lauterer Betzenberg stattfand. Besagter Gegner war der SK Rapid Wien, der im Januar im Berliner Olympiastadion vor 40.000 Zuschauern den FSV Frankfurt mit 3:1 bezwungen und sich damit den Tschammerpokal gesichert hatte. Der nationale Pokalwettbewerb, wurde seit 1935 bis 1943 unter der Bezeichnung Tschammerpokal ausgetragen, ehe man den Wettbewerb in DFB-Pokal umbenannte. Der frischgebackene Pokalsieger aus Wien war an jenem späten Samstagnachmittag für den FCK als frischgebackenen Meister der Bezirksklasse Mittelpfalz allerdings eine Nummer zu groß. Mit 6:0 zeigten die Gäste aus dem Wiener Stadtteil Hütteldorf den Kickern vom Betzenberg deutlich die Grenzen auf, wenngleich der Sieg auch nach Meinung der Tagespresse wohl etwas zu hoch ausgefallen war. Bei orkanartigen Windverhältnissen tat sich vor allem der FCK im ersten Durchgang gegen den spielerisch und technisch äußerst versierten Gegner sehr schwer. Es stand bereits 0:3 als Fritz Walter mit einem vehementen Schuss Rudolf Raftl im Tor der Gäste erstmals prüfte. Nach der Pause erhöhten die Gäste gar auf 0:4, wobei der FCK, der nun nicht mehr gegen den Wind anlaufen musste jetzt deutlich besser im Spiel war. Unter anderem Jakob Marker, Willi Müller und Fritz Walter hatten zwar noch die eine oder andere Gelegenheit, vermochten aber den mehrfachen Nationalspieler Rudolf Raftl im Tor der Wiener nicht mehr zu bezwingen. Der FCK unterlag somit nach zwei weiteren Gästetreffern deutlich. Für Fritz Walter einerseits ein beeindruckendes Erlebnis mit erst 18 Jahren gegen einen so namhaften Gegner antreten zu dürfen und gleichzeitig sicher auch eine einschneidende Erfahrung eine vom Ergebnis her so deftige Niederlage verarbeiten zu müssen.

Text: Matthias Gehring

Renate Kehl

Es ist ein normaler Arbeitstag für Renate Kehl. Irgendwann in den 1980er- oder 1970er-Jahren. 36 Jahre hat sie für Fritz Walter gearbeitet. Sie sei die zweite Frau in seinem Leben, meinte der Fußballstar. Das Büro machte Renate, die noch in Kaiserslautern lebt, Briefe schreiben, Autogrammwünsche erfüllen, Geburtstagsgeschenke verschicken, Termine machen. Für alles war sie zuständig. „Ohne Renatchen, so nannte er sie, hätte ich das alles nicht geschafft“, sagte Fritz. Und meinte es auch so. Renate Kehl war die gute Seele im Unternehmen Walter. Dabei hatten sie weder Fax, Computer oder Handy zur Verfügung. Es hätte auch wenig genutzt, denn Fritz hätte es eh nicht bedienen können.

Text: Hans-Peter Schössler

 

Spiel des Tages: 

Aufstiegsspiel zur Gauliga 1. FC Kaiserslautern - SG Burbach 4:0

11. Juni 1939, Kaiserslautern, 5.000-6.000 Zuschauer, drei Tore von Fritz Walter

Nachdem sich der 1. FC Kaiserslautern am Ende der Spielzeit 1938/1939 in der Bezirksklasse Mittelpfalz souverän den Meistertitel gesichert hatte, galt es nun in der anschließenden Qualifikationsrunde den Wiederaufstieg in die Gauliga Süd zu sichern. Der 1. FC Kaiserslautern trat zusammen mit dem VfR Frankenthal und der SG Burbach in Gruppe I der Aufstiegsrunde an. Der FCK hatte in der Aufstiegsrunde bereits zwei Siege vorgelegt. In Burbach gelang ein 3:2-Auswärtssieg, der VfR Frankenthal wurde am heimischen Betzenberg mit 2:1 besiegt. Im Rückspiel gegen Burbach ging es also darum mit einem weiteren Sieg die Tabellenführung in der Gruppe zu behaupten. Das gelang an jenem 11. Juni eindrucksvoll. Der FCK siegte souverän mit 4:0 gegen die Gäste aus dem Saarland. Karl Abel eröffnete den Torreigen, Fritz Walter erhöhte dann binnen sechs Minuten mit zwei weiteren Toren auf 3:0, gleichzeitig auch der Halbzeitstand. Vor allem sein zweiter Treffer beeindruckte. "Wie er in diesem Alleingang den Ball weit vorstieß, um Jost herauszulocken war meisterhaft, aber der Burbacher zögerte und die Entscheidung war gefallen" (NSZ, 12.06.1939). Im zweiten Durchgang war es erneut Fritz Walter, der dann auf 4:0 erhöhte. "Trefflich nahm er den Ball auf, eine Drehung und zwei Gegner waren abgeschüttelt, während der Ball in der äußersten Ecke des Burbacher Tores landete", beschrieb die NSZ den feinen, technisch versierten und für Fritz Walter auch später typischen Treffer. Beim letzten Gruppenspiel knapp eine Woche später unterlag der FCK beim Rückspiel in Frankenthal zwar mit 1:0, doch das Ergebnis änderte für die Lauterer nichts mehr. Als Gruppenerster stieg der FCK zusammen mit dem VfR Frankental auf und spielte in der darauffolgenden Spielzeit in der neu organisierten zweigleisigen Gauliga Südwest in der Staffel Saarpfalz. Für den noch jungen Fritz Walter war der Erfolg gegen Burbach somit die erste Aufstiegs-Erfahrung seiner Karriere.

Text: Matthias Gehring

Wolf-Dieter Poschmann

Wolf-Dieter Poschmann, Jahrgang 1951, in Köln geboren, und die Fritz-Walter-Stiftung verbindet einiges. Poschmann war der Leichtathletik-Kommentator des ZDF, aber auch der Sportchef im Sender. Und als die Fritz-Walter-Stiftung 1999 gegründet wurde, übernahm er den Vorsitz im Kuratorium. „Poschi“ moderierte die Veranstaltung zum 80. und 90. Geburtstag von Fritz Walter im Stadion in Kaiserslautern und auch einige weitere „Fritz-Walter-Galas“. Mit Fritz verbindet ihn auch die Liebe zum Behindertensport. Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist Wolf-Dieter Poschmann der Partner von Special Olympics Deutschland, dem Sportverband für Menschen mit geistiger Behinderung.

Text: Hans-Peter Schössler

 

Spiel des Tages: 

Freundschaftsspiel 1. FC Kaiserslautern - S.S. Lazio Rom 1:4

25. Juni 1939, Kaiserslautern, Zuschauerzahl unbekannt, ein Tor von Fritz Walter

Nur knapp zwei Monate nach dem Gastspiel von Rapid Wien auf dem Lauterer Betzenberg schickte sich eine weitere namhafte Mannschaft an, der Barbarossastadt ihre Aufwartung zu machen. Der 1. FC Kaiserslautern empfing am Sonntag, den 25. Juni 1939 mit Lazio Rom, die in jenen Tagen mehrere Partien im südwestdeutschen Raum absolvierten, eine absolute europäische Spitzenmannschaft zu einem Freundschaftsspiel. Die Römer traten nicht unbedingt in Bestbesetzung an. Offensichtlich zeigte sich die Kulisse insbesondere darüber enttäuscht, dass Mittelstürmer Silvio Piola nicht auf dem Rasen stand, der übrigens zum erfolgreichsten Torschützen in der Geschichte des italienischen Fußballs avancieren sollte. Bis zum Ende seiner Karriere im Jahre 1954 erzielte er sagenhafte 274 Tore in der Serie A. Doch die Ballkünstler aus der italienischen Hauptstadt begeisterten auch ohne ihren Stürmerstar. Vor allem Alfredo Monza in der Defensive, Bruno Camolese in der Läuferreihe und Anselmo Pisa im Sturm verzückten das Publikum. Dennoch gehörte die Anfangsviertelstunde der Partie dem 1. FCK, wobei auch Torhüter Giacomo Blason sein Können mehrfach unter Beweis stellen musste. Dabei vergaben Jakob Marker und Fritz Walter aussichtsreiche Chancen oder scheiterten am Klasse-Keeper der Römer. Dann ging der FCK in Führung. Nach einem feinen Zuspiel in die zentrale Position jagte Fritz Walter das Leder unhaltbar ins Netz, was die Tagespresse illustrativ kommentierte. "Walter setzte sich auch gegen die Römer ausgezeichnet durch und setzte Blason eine seiner bekannten Bomben in die Maschen" (NSZ, 26.06.1939). Die Gäste glichen noch vor der Pause aus und der der neu verpflichtete Argentinier erhöhte nach dem Wechsel mit zwei Toren auf 1:3, ehe den Römern kurz vor Ende der Partie noch der vierte Treffer gelingt. Für Fritz Walter und seine Mannschaftskameraden sicher ein denkwürdiges Spiel und eine Ehre gegen einen solch namhaften Gegner antreten zu dürfen. Auch wenn das Ergebnis eher nicht in ihrem Sinne war. Anerkennenden Beifall von den Rängen erhielten indes beide Teams nach dem Abpfiff.

Text: Matthias Gehring

Wolf-Dieter Poschmann mit Dr. Michael Becker, dem ehemaligen Berater von Miro Klose, bei der Fritz-Walter-Gala 2011 (Foto: Peter Seydel).
Scheckübergabe bei der Fritz-Walter-Gala 2011, elegant moderiert von Wolf-Dieter Poschmann.

Tony Marshall

Es ist 1997. Tony Marshall habe angerufen. Renate Kehl sagt es zu Fritz Walter. Der Sänger der „Schönen Maid“ und vieler anderer Hits, ist ein enger Freund von Fritz Walter. So wie auch der Trompeter Walter Scholz. Tony Marshall, sagt die Kehl, habe wissen wollen, wie es dem Fritz geht. Der Sänger ruft immer wieder an, und wenn er in der Pfalz zu tun hat, kommt er auch vorbei. Dass er beim Geburtstag von Fritz singt und Italia ein Ständchen bringt, versteht sich von selbst.

 

Das Spiel des Tages: 

Gauspiel Südwest-Auswahl - 1. FC Nürnberg 7:2

1. Juli 1939, Kaiserslautern, 5.000-6.000 Zuschauer, drei Tore von Fritz Walter

Im Rahmen des sogenannten "Gautages am Westwall" standen zwischen Freitag dem 30. Juni und Samstag dem 1. Juli in Kaiserslautern diverse Sportveranstaltungen im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Besondere Aufmerksamkeit erfuhr dabei eine Fußballpartie auf dem Lauterer Betzenberg, bei der eine Südwest-Auswahl des Saarpfalz-Gaus gegen den 1. FC Nürnberg antrat. Der zu diesem Zeitpunkt bereits sechsmalige deutsche Fußballmeister 1. FC Nürnberg war der Einladung gerne gefolgt und sicherte laut den damaligen Gazetten zu in Bestbesetzung antreten zu wollen. Im Sommer jenes Jahres waren die Franken in bester Verfassung. In zwei Testspielen hatte man immerhin den amtierenden italienischen Meister AGC Bologna und den AS Rom geschlagen und zwar ohne ein einziges Gegentor. Neben Fritz Walter schmückten außerdem die Lauterer Willi Hörhammer und Karl Heinz Folz die Aufstellung der Südwest-Auswahl. Obwohl die Nürnberger mit vielen Vorschusslorbeeren angereist waren, hatten die Franken gegen die engagiert spielende und offensiv starke Auswahl-Mannschaft kaum eine Chance und gingen am Ende mit 7:2 unter. Überragender Spieler der Gaumannschaft war Fritz Walter, der insgesamt drei Tore selbst erzielte und zu zwei Treffern des Frankenthalers Rudolf Reinhardt und dem Schlusspunkt, den der Neustadter Eugen Flohr markierte, jeweils die Vorlage lieferte. Für Fritz Walter selbst eine sicher herausragende Erfahrung gegen einen so namhaften Gegner einem Spiel derart den eigenen Stempel aufdrücken zu können.

Text: Matthias Gehring

 

Fritz Walter mit Tony Marshall.